Zum US-Präsidentschaftswahlkampf 2008

Das Jahr 2008 hat gerade begonnen, doch schon geht unser Blick Richtung Jahresende, in den November, wenn in den USA ein neuer Präsident gewählt wird. Der Wahlkampf dauert ja bereits einige Monate, doch nach den ersten Vorwahlen in Iowa lohnt sich ein Blick auf die Top-Kandidaten: Wie stehen sie eigentlich zur Homo-Politik?

Kaum jemand hätte im Jahre 2004 vermutet, dass George W. Bush mit einer Mehrheit in seinem Amt bestätigt würde. Inzwischen wissen wir, dass er nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit voraussichtlich auf der Liste der schlechtesten Präsidenten der USA stehen wird.

Der Wahlkampf 2004 war auch von der Debatte um die Homo-Ehe geprägt. Bush hat seinerzeit seinen konservativen Landsleuten eine Verfassungsänderung versprochen, die die Homo-Ehe in allen Bundesstaaten verbieten würde. Mit Anti-Schwulen-Parolen kann man also in den USA in diesem Jahrhundert noch Wahlen gewinnen? Offensichtlich

Vier Jahre sind seitdem fast vergangen, und die Meinung hat sich seitdem gewandelt. Ob inzwischen eine Mehrheit der US-Amerikaner FÜR die Homo-Ehe ist, ist noch unklar; klar ist, dass in einigen Bundesstaaten Schwule und Lesben schon heiraten dürfen. Doch aufgepasst: Nicht in New York oder Kalifornien werden den Wahlen entschieden, sondern in den Arbeiter- und Bauernstaaten in der Mitte des Kontinents.

Die Kandidaten der beiden Parteien haben sich ja schon positioniert, der eine oder die andere hat sich auch bereits zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben geäußert.

Der Sieger der republikanischen Vorwahlen in Iowa, Mike Huckabee, ist wohl als reaktionärster Anwärter bekannt geworden. Seine Homophobie wurde nicht zuletzt deutlich, als er seine 15 Jahre alte Forderung verteidigte, alle HIV-Positiven sollen interniert werden. Huckebee ist Baptisten-Prediger, und diese christliche Freikirche ist bisher nicht durch Toleranz gegenüber Schwulen oder Lesben bekannt geworden.

Überrascht hat in den letzten Wochen Mitt Romney, der als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, also als Mormone, überraschend viele Stimmen erhalten hat. Ob die US-Amerikaner tatsächlich einen Mormonen zum Präsidenten wählen würden, wird von allen Analysten heftig diskutiert, dass ein Mormone als Präsident schwulen- und lesbenfreundliche Politik machen würde, darf aber bezweifelt werden.

Zu rätseln ist noch, wie Rudy Giuliani abschneiden wird, der in Iowa gar nicht angetreten war. Er war früher Bürgermeister in New York, was auf einen offeneren Umgang hoffen lässt. Der bisherige Favorit bei den Republikanern ist jedoch gesundheitlich angeschlagen und hat seinen Vorsprung in den letzten Wochen deutlich eingebüßt.

Doch wenden wir uns nun den Demokraten zu. Man hat in Deutschland häufig den Glauben, dass die Demokraten die linke Partei wären. Doch dem ist nicht so.

So tritt die bisherige Favoritin und Ex-First-Lady Hillary Clinton mit Positionen an, die bei uns noch jenseits der CDU anzusiedeln wären – sie tritt deutlich konservativ auf. Bei den Schwulen und Lesben ist Hillary nichts desto trotz die Nummer Eins. Einer Umfrage zufolge wollen über 72 % der Homos Hillary unterstützen. Die Frage ist allerdings, ob die Unterstützung sich auf die politischen Positionen bezieht oder ob hier nicht eher eine Diva gepuscht wird. Schwule und starke Frauen bilden doch gerne ein besondere Paarung.

Auch Barack Obama, der überraschend die Vorwahlen in Iowa gewonnen hat, bekommt gute Noten von Schwulen und Lesben. Hängt es damit zusammen, dass man ihm als Angehörigen der schwarzen Minderheit zutraut nachzufühlen, wie man sich als Unterdrückter fühlt? Obama setzt sich nach eigenen Aussagen dafür ein, dass die Eingetragene Partnerschaft eingeführt wird, ist jedoch gegen die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben.

Und schließlich ist noch John Edwards zu nennen, der bereits im Jahre 2004 für das Amt des Vizepräsidenten kandidiert hat. Edwards ist wohl am ehesten politisch links einzuordnen. So verspricht er soziale Reformen, die nahezu sozialdemokratische Züge haben. Aber auch er ist lediglich für Eingetragene Partnerschaften, nicht für die Homo-Ehe.

Es ist Wahlkampf. Und im Wahlkampf zählt bekanntlich nicht, welche Position die Kandidaten wirklich vertreten, sondern mit welchen Positionen man Wählerschichten erreicht und mit welchen man sie nicht vergrault. So ist es in den USA schon fast Tradition, dass sich selbst linke Politiker und liberale Politikerinnen nicht eindeutig für die volle Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben einsetzen. Zu groß ist die Angst, konservative und christliche Wählerschichten zu verlieren.

Unklar ist noch, welche Rolle die großen Kirchen bei den diesjährigen Wahlen spielen. George W. Bush hat einst behauptet, er wäre bekehrt worden und hätte zum Glauben zurück gefunden, all sein Handeln wäre geradezu von göttlicher Bestimmung. Doch es ist nicht lange her, dass sich die Evangelikale Kirche von ihm abgewandt hat und deutlich gemacht hat, Bush vertrete eben nicht die göttliche Bestimmung, die Politik von Bush zerstöre den Planeten. Hört hört!. Die Kirchen haben in jedem Fall in den USA einen größeren Einfluss als bei uns.

Es ist also spannend, was in den nächsten 11 Monaten in den USA abläuft. Wir sollten aber eines nicht vergessen: Es geht diesmal nicht im Wesentlichen um das gesellschaftliche und politische Klima für Schwule und Lesben. Es geht vor allem wohl um das Klima in der Welt. Hoffen wir also, das der Bush-Brand bald an uns vorüber gezogen ist und eine klimafreundliche Politik ins Weiße Haus einzieht.