Weihnachtszeit ist Familienzeit

Da versammeln die Mütter dieser Welt ihre Liebsten an der gedeckten Tafel, um dann Rotkohl, Klöße und Weihnachtsbraten vor dem geschmückten Baum zu verspeisen und anschließend die Geschenke zu verteilen. Wenn man Mutti noch einen Gefallen tun möchte, geht man sogar mit in die Kirche zum – ausnahmsweise mal überfüllten – Gottesdienst. Schöne heile Welt.

Komisch nur, dass sich vor meinem Auge der schwule Sohn oder die lesbische Enkeltochter immer noch nicht so ganz in dieses Bild einfügen will. Das althergebrachte Familienkonzept: Mutter, Vater, Kinder… passt doch irgendwie nicht.

Und doch unterwerfen sich natürlich auch die Schwuletten und Lesbetten in jedem Jahr dem Drang – oder Druck, ins persönliche Betlehem zu pilgern, um dort den Segen von Mutti und Pappi entgegen zu nehmen und die Niederkunft der Geschenke zu erleben. Die Steigerung gibt es dann noch bei Homo-Paaren, denn dann gibt es ja in der Regel zwei Elternseiten zu beglücken. „Lass uns doch am ersten Weihnachtstag zu meinen Eltern fahren, am zweiten Weihnachtstag fahren wir zu Deinen.“ Oder doch lieber umgekehrt? Häufig wird ja aus der Besuchsfolge auch noch eine Liebhab-Quote abgeleitet. Spannend wird die Frage bei den immer jünger werdenden geouteten Homoletten, wo vielleicht auch noch die Großeltern irgendwie zu beglücken sind, das will organisiert werden, sind ja nur 2 ½ Tage für die komplette Bagage Zeit.

Aber sind wir Schwulen eigentlich willkommen – vielleicht sogar mit unserem Partner? Nun, das hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Geschwister schon für den Fortbestand der Familie gesorgt haben. Dann ist allerdings kaum damit zu rechnen, dass man überhaupt wahrgenommen wird, während Neffen und Nichten unter Geschrei die neuen Geschenke zerstören.

Geduldet! Ja dieses Wort passt besser. Mitunter brüstet sich der ein oder andere Anverwandte ja sogar mit der zelebrierten Toleranz. Ob der Pappi oder Schwager dann aber will, dass man zur Mitternachtsmette mitgeht, ist eine andere Frage. Vielleicht ist man ja doch irgendwie peinlich.

Nichts ist jedoch ungnädiger, als vor allem zu Weihnachten in die traurigen Elternaugen des schwulen Einzelkindes zu gucken, aus denen das bedauernde Seufzen klagt, dass ja leider keine Enkel mehr zu erwarten sind. Ist das ein Elend!

Wollen wir das? Was bringt uns Weihnachten überhaupt. Schauen wir uns doch mal an, was diese Folklore-Veranstaltung eigentlich so ist.

Vor kurzem hat jemand vorgeschlagen, auf die Lichtinstallation des Dortmunder U ein paar Weihnachtsbäume zu projizieren, wäre doch wirklich schön. Klar, ist auch dringend notwendig. Es gibt ja noch nicht genug kitschige Illuminationselemente – in den Fenstern, in den Kaufhäuser, an den Bäumen der Einkaufsstraßen. Die gefühlte Hälfte des deutschen Energieverbrauches geht in diesen Tagen für blinkenden Saison-Müll drauf, der überall herum steht und hängt. Man fühlt sich regelrecht geblendet von den modernen LED-Elementen, und es macht inzwischen keine Unterschied mehr, ob man durch das besser gestellte Kreuzviertel geht oder sich im Dortmunder Norden mit vorzugsweise muslimischem Migrationsuntergrund aufhält. Ein Volk, vereint im Leuchten. Und im Energie verschwenden.

Aus dem Radio plärren seit Wochen immer die gleichen Weihnachtslieder, von Tag zu Tag häufiger, und nur weil es Pop-Songs sind, liebe Leute von Radio 91,2 („Last Christmas, i gave you my heart“), sind sie inzwischen nicht weniger unerträglich als der Tölzer Knabenchor.

Jahr um Jahr ärgern sich die Leute, dass die Marzipankartoffeln und Mandelspekulatius immer früher in den Geschäften liegen. Komisch nur, sie trotzdem gekauft und gefressen werden, schon ab August Zimtsterne bis zum Erbrechen.

Und dann müssen wir natürlichbeim adventlichen Scheißwetter Geschenke kaufen, inzwischen immer früher fetter und breiter. Und wehe, es sind nicht die richtigen Geschenke. Oder – oje, noch schlimmer – der Wert spiegelt nicht wieder, wie sehr man den Beschenkten lieb hat. Ja ja, das kann dann schon traurige Stimmung geben.

Dabei ist die Auswahl an Geschenken doch riesengroß. Inspirationen gibt’s doch in den Zeitungen, die immer voller sind mit Prospekten für Weihnachts-Schrott. Von chinesischer Hifi-Ware bis hin zum Weihnacht-Deko-Gebimsel in der Farbe der Saison: Lila. „Alles jetzt noch billiger, bis auf Tiernahrung.“

Es macht aber auch Spaß, die Geschenke auf den letzten Drücker zu kaufen. Man geht dann vorzugsweise samstags auf den Dortmunder Weihnachtsmarkt, schiebt sich mit drei Millionen anderen Trotteln durch viel zu enge Gassen, um sich den immer wieder gleichen Mist anzusehen. Nein, wie gemütlich. Aber sich dann über den Stau auf der B1 aufregen. Zum Trost säuft man sich dann mit Glühwein die Hacke zu und wird auf Kommando lustig. Nein, wie lustig.

An den Festtagen selber guckt man sich natürlich im ZDF den neuen Weihnachts-Dreißigteiler von Rosamunde Pilcher an, und gleich danach auf RTL die Weihnachtsausgabe von Deutschland sucht den Superidioten. Zwischendurch ist für die Bildung auch mal eine Dokumentation angebracht: Wie feiert man Weihnachten auf den Lofoten? Wollte ich auch schon immer wissen. Oder schön auch: Carmen Nebel singt mit Florian Silbereisen die schönsten Weihnachtslieder in der Musikantenscheune, wie berührend.

Wie gerne wünsche ich mich in solchen Zeiten in ein muslimisches Ghetto, wo man mit Marias unehelichen Presswehen nichts zu tun hat. Aber leider sind heutzutage ja auch unsere Migrationsmitbürger dem Weihnachts-Totalitarismus verfallen. Muss die Integration denn wirklich so weit gehen?

Ist Weihnachten noch mit den Menschenrechten vereinbar? Wo ist eigentlich der Rückzugsort für die totalen Weihnachtsverweigerer? Wo bleiben eigentlich die alternativen Konzepte zum Jahresende?

Mein Tipp: Entfleuchen ins heidnische Ausland. Eine Reise nach Südostasien. Im Geiste von Buddha dem Konsum entsagen, die Glückseeligkeit in innerer Ruhe finden, das wär’s doch. Ayurvedische Massagen unter Palmen, statt Mutti auf der Palme.

Wer dafür nicht das passende Budget hat, bleibt besser gleich ganz zuhause. Bloß nicht auf eine dieser vielen Homo-Partys zur Weihnacht gehen, da laufen sie nämlich auch rum: Die Herren mit den roten Weihnachtsmann-Mützen, der ein oder andere wieder mit nacktem Oberkörper, und mögen sie noch so gut aussehen…

Ich will nicht mehr!