Transamerica

Wir Schwule dürfen uns ja seit einiger Zeit auch an einem Oscar prämierten Western aufgeilen. Brokeback Mountain.

Keinen Oscar hat ein Film bekommen,

  • der ebenfalls ein klassisches Genre – den Road-Movie – bedient,
  • der sich ebenfalls einem bisher in Hollywood gemiedenen Thema widmet, der Transsexualität,
  • der mindestens ebenso sehenswert ist wie Brokeback Mountain
  • und der vor allem charmant, witzig und herzerweichend daher kommt.

Transamerica!

Ebenso wenig wie mit Western kann ich mit dem Film-Genre „Road-Movie“ etwas anfangen. Auch typisch amerikanisch, nur dass man statt auf Pferden in übergroßen Autos durch die endlosen Weiten der USA eilt.

„Transamerica“. Schon dieser Titel klingt irgendwie nach Straße. Doch steht „Trans“ diesmal nicht allein für die Durchquerung des Kontinents.

Der Film erzählt die Geschichte von Bree, einer Frau, die kurz vor der Operation steht, bei der ihr der Penis entfernt werden soll. Biologisch gesehen ist Bree nämlich ein Mann.

Bevor die Therapeutin ihr aber das notwendige Gutachten unterschreibt, zwingt sie Bree, sich mit ihrer männlichen Vergangenheit auseinandersetzen.

Bree ist nämlich Vater eines verwahrlosten jungen Mannes, Toby, der sich in New York das Geld auf dem Strich verdient. Sie gibt sich also als christliche Missionarin aus, und holt Toby aus dem Knast ab.

Dann besteigen die beiden – natürlich – ein Auto, um damit nach Los Angeles zu gurken. Und da haben wir schon das klassische Set eines Road Movies.

Auf der Fahrt über die Highways sehnt sich Bree danach, endlich ihren Penis los zu werden. So ein Ding passt irgendwie nicht zu einer konvervativen, amerikanischen Frau. Und Toby träumt davon, in der LA-Filmfabrik ein paar lukrative Pornos zu drehen.

Was nun folgt, ist voraussehbar. Der Penis von Bree kann natürlich nicht ihr Geheimnis gegenüber Toby bleiben. Die Reaktion: Drama: Igitt, Ekel, Aufregung. Doch mit jedem Kilometer mehr unter den Reifen steigt die Akzeptanz gegenüber dem Ding zwischen den Beinen der Begleiterin.

Schwieriger ist da schon die Geschichte mit der Vaterschaft. Erst als es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, beichtet Bree die familiäre Beziehung zu Toby.

Das geht dem jungen Mann dann doch entschieden zu weit, und so verliert Bree zunächst Toby, der das Weite sucht. Dann erst darf sie sich endlich von ihrem Penis verabschieden – in der sogenannten geschlechtsangleichenden Operation. Doch gleich nach dem Aufwachen aus der Narkose merkt Bree, dass ihr nun etwas fehlt: Ihr Sohn.

Der Film überzeugt! Nicht zuletzt durch die schauspielerische Leistung von Felicity Huffmann. Als biogenetische Frau spielt sie den ehemaligen Mann wahrhaft vollkommen. Die Gesten, die Mimik, das Make-up – Mann oder Frau – man ist sich auch als wissender Zuschauer nicht so ganz sicher. Für die Darstellung hat Huffmann übrigens zwar keinen Oscar gewonnen, dafür aber eine ganze Palette anderer Preise abgeräumt. Verdient

Auch die Story ist hinreißend. Witzig, mitfühlend und einfach abgedreht. Kein Depri-Film, der mit erhobenen Zeigefinger sagen will: Siehst Du, währst Du doch mal besser mit Deinen Schwulitäten im Schrank geblieben. Stattdessen ein Plädoyer für die Vielfalt und gegen Vorurteile und Moral an falscher Stelle.

Der Film „Transamerica“ steht inzwischen in meiner DVD-Sammlung, und zwar in der Rubrik „Wohlfühlfilme“. Diese Scheibe verdient es, gekauft zu werden.

Zum Hauptfilm gesellen sich die klassischen Extras, wie z.B. die Interviews mit Darstellern und Regisseur. Welchen Aufwand Felicity Huffmann auf sich genommen hat, um in diese verdrehte Rolle zu schlüpfen, ist schon interessant zu erfahren.

Mein persönliches Highlight – nach dem Hauptfilm natürlich – ist jedoch das Music-Video zum Titellied: Die Country-Diva Dolly Parton mit ihrem Lied „Travelin‘ Through“ ist schon ein bemerkenswerter Anblick in Lack und Leder: Ein chirurgisches Meisterwerk.

Transamerica: erschienen als DVD und für etwa 12 € im Handel erhältlich.