Grand Prix de Kack!

Ich brauchte einige Tage, um den Eurovision Song Contest zu verarbeiten. Was hat mich mehr geschockt: Der erste oder der letzte Platz? Oder die tiefgründige politische Bewertung?

Zunächst einmal zu den Nicht-Engeln: Wer heutzutage noch gewinnen möchte oder mindestens ins Mittelfeld aufgenommen werden möchte, muss beim GP ordentlich Möpse wackeln lassen. Sorry, vielleicht ist dies frauenfeindlich, aber die Tendenz ist doch erkennbar. Unsere Damen waren für diese offenherzigen Maßstäbe zu verhüllt.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass die vier Engel im Standard-TV-Ton tatsächlich grottig klangen. Wir hatten uns den Song Contest nämlich im KCR Dortmund angesehen, wo man scheinbar mit einer Dolby-Sourround-Anlage ausgestattet ist. Da kamen sie gar nicht so übel rüber. Aber die Wiederholung der heimischen Aufnahme vom DVD-Recorder hat mir dann erklärt, warum mit diesem Gesang keine Schnitte zu gewinnen war.

Das Gejammere vom Russen fand ich einfach nur schrecklich. Und – nun mal ehrlich – zu sehr gewollt (wie Peter Urban schon sagte). Das Herumschlawenzel vom Eiskunstläufer war wohl die Lachnummer überhaupt.

Nun ist aber die Frage, ob der junge Mann vielleicht zur Fraktion gehört. Wäre ja schon unerhört, wenn man überlegt, wie die Russen mit Russen umgehen, die auf Russen stehen. Erotik habe ich selber auf jeden Fall nicht verspürt, da kann die Queer-Redaktion noch so lechzen und jubeln.

Mein persönlicher Favorit war ja eher die jemenitische Nachtigall aus Israel. Von Boaz Mauda wünscht man doch wirklich, dass er zur Familie gehört.

Noch ein Wort zu Thomas Hermanns: Er will nicht mehr. Ich kann es verstehen. Und ich muss sagen, obwohl ich ihn zu Zeiten des Quatsch-Comedy-Clubs nicht gemocht habe, so ist er doch von Jahr zu Jahr bei der Grand-Prix-Moderation (incl. Vorentscheide) besser geworden. Seine Kommentare zeugten doch von einer spitzen schwulen Zunge. Er ist einer von uns und wir fühlten uns von ihm sowas von verstanden, dass wir mit unseren eigenen bösen Bemerkungen schon gar nicht mehr dagegen ankamen. Seine Beiträge werde ich vermissen! Falls irgendwann der Stuhl von Peter Urban freiwerden sollte, sollte Thomas Hermanns sich darum bewerben: Meine 12 Punkte hätte er.

Ich will nun keine weiteren Worte über die Balkan-Connection, über die Russen-Mafia oder die Skandinavische Solidarität verlieren oder darüber, dass Deutschland auch 63 Jahre nach dem Krieg keine Freunde in Europa hat. Auch die Worte über jene, die sich vor 15 Jahren noch beschossen haben und nun gegenseitig die Stimmen zuschanzen spare ich mir, sind sie doch schon genug verloren worden. Und meine Meinung über die Bewertung von hochgeschraubten Möpsen habe ich oben schon kund getan.

Es bleibt also das Fazit: Ein belangloser Deutscher Beitrag, ein belangloser Gewinner, eine belanglose Veranstaltung.