Bewertung: Tödliche Flut – Scimitar SL-2

Psycho-Thriller – aber ganz anders als man denkt…

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Oh je, was für eine Enttäuschung: Ich bin La Palma-Fan, und daher war dieses Buch für mich – so glaubte ich – Pflichtlektüre. Doch was ich dann zu lesen bekam, war ein kaum zu überbietender Schrott aus Pseudo-Fakten und anti-demokratischen, militaristischen Phantasien.

Ich vermute, dass der Autor sich selber als Admiral Morgan sieht. Dieser ist ein Meister des Schwarz-Weiß-Denkens, er putscht den Luschi-Präsidenten (Demokrat!) aus dem Amt, übt nebenbei alle Ämter der Regierung aus (vom Präsidenten über den Außenminister-Posten bis zum ersten Ansprechpartner für den letzten Dorf-Polizisten) und versteht natürlich auch noch was vom Wein. Der von ihm inthronisierte Präsident tritt als devote Marionette auf, die dankbar ist, dass die allwissende Armee ihm die Entscheidungen abnimmt.

Es offenbart sich ein Politik-Verständnis des Autoren, was an Parolen unserer dunkelsten Epoche in Deutschland erinnert: Die demokratisch gewählten Politiker diskutieren doch bloß, kriegen dabei aber nichts geregelt. Und die Militärs müssen dann die Kohlen aus dem Feuer holen und die Welt retten. Autoritär werden Kommandos erteilt („‚Mach es und mach es jetzt sofort‘ und es funktioniert…“), und dies wird als Lösung aller Probleme angeboten. Nicht zu vergessen, dass die Bilder der Soldaten (groß, stark, schlau, bestimmend) ein literarischer Abklatsch von Leni Riefenstahl sind, der uns ebenfalls an völkische Idealbilder vergangener Zeiten(groß, blond und blauäugig) erinnert.

Zudem ist dieses Schwarz-Weiß-Denken des Autoren durchaus rassistisch bzw. anti-islamisch geprägt: Die Moslems sind alle böse, die Alten Europäer (stellvertretend Frankreich) zu blöde und nur die Amis sind die einzigen, die wissen wo’s lang geht.

Die Sprache ist mehr als dürftig. Beispiel: Auf mehreren Seiten wird die Evakuierung der Städte an der Ostküste beschrieben, und immer wieder taucht die Phrase auf, diese Städte am Ozean wären „schutzlos der Welle ausgeliefert“. Schön ist auch das Bild eines Flugzeuges, welches bei einer falschen Landung Dutzende von Soldatenleben kosten könnte, „ganz zu schweigen von der Maschine…“. Die Prioritäten, die hier deutlich werden, sind erschreckend.

Und erst der Umgang mit den Fakten: Es drängt sich der Verdacht auf, der Schreiberling habe sich seine Informationen aus pseudowissenschaftlicher Literatur oder aus zweitklassigen Internet-Foren herausgesucht. Selbst der letzte Touristen-Guide weiß, dass man nicht mit einem Elektro-Golf-Caddy zur Cumbre Vieja (Vulkan-Kette) hoch- und wieder runterfahren kann. Und Spanien? Gibt’s gar nicht! Zwar setzt man sich mit dem französischem Präsidenten in Verbindung, aber die Patriots baut man auf, ohne dass überhaupt erwähnt wird, dass es eine spanische Regierung gibt… Wahrscheinlich, weil diese kein Feinbild abgegeben hat (ich vermute, das Buch wurde geschrieben, als die Franzosen gegen und die Spanier für den Irak-Krieg waren). Aber immerhin: Die Abkürzungen für die neuesten Waffensysteme und deren Beschreibung und Sprengkraft kommen recht geläufig durch die Feder. Als wenn sich da jemand die Werbe-Broschüren des „Militärisch-Industriellen Komplexes“ der USA im Dauer-Abo bestellt hätte.

Auch die fiktiven Szenarien bereiten beim Lesen Schmerzen: Wenn New York evakuiert wird, müssen nicht nur 8 Millionen Einwohner fortgeschafft werden, nein, auch die täglich 800.000 Touristen müssen berücksichtigt werden. Klar, dass bei einer über Wochen organisierten Aktion auch noch Touristen in New York herumbummeln, um sich das Empire State Building anzusehen… Und klar, dass man die Evakuierung der gesamten Stadt am Berufsverkehr (!) vorbei organisieren muss. Natürlich hat man auch Zeit, die zig Tonnen schweren Bronze-Denkmäler aus Washington fortzuschaffen, weil es ist ja das Andenken an die Vietnam-Gefallenen… die wahren Helden.

Meine Vermutung über die Entstehung dieses „literarischen Werkes“: Der Autor hat sich irgendwelche Schnippsel aus alten Zeitungen zusammen gesucht und sich dann in ein Weltbild hineingesteigert, in dem er sich wahrscheinlich als allseits verehrter Retter der Welt (=Admiral Morgan) sieht, der für alle Probleme dieses Planeten eine Lösung hat. Und er freut dabei über jede Stimme, die er nebenher für die Republikaner (die ihm wahrscheinlich zu weit links stehen…) abstaubt.

Mein persönliches Fazit habe ich gezogen: Ab in die Tonne damit, und zur Sicherheit vorher noch durchreißen. Ich mag es nicht, Bücher wegzuschmeißen, aber dies schien mir hierfür die einzige Lösung zu sein: Um es weiteren Lesern zu ersparen.