Bewertung: Unter der Sonne der Toskana – Shadows in the Sun

Belanglos, trotz guter Absichten!

Was für eine Enttäuschung! Erwartet hatte ich eine berührende Geschichte in wunderbarer Umgebung mit tollen Menschen. Gesehen habe ich einen Abklatsch für Arme mit Stereotypen ohne Ende.

Zur Story ist nicht viel zu sagen: Sie war vorhersehbar. Auch die Grundidee haben wir schon 1000x gesehen: Man nehme eine schöne Landschaft und stelle interessante Leute darin auf. So gesehen in Mein Haus in Umbrien, Ein gutes Jahr oder (mein Favorit) Unter der Sonne der Toskana. Diese Leute kommen dann in der Regel aus der bösen Welt irgendwelcher Großstädte (also aus der Welt des Stresses), erleben verschiedene Dinge in ländlicher Kulisse und werden von der Umgebung so sehr verzaubert, dass sie am Ende dort bleiben wollen. Und der Zuschauer auch.

Diesmal wird die Hauptrolle jedoch von einem farblosen Joshua Jackson übernommen, der – bei allen Wandlungen während der Geschichte – ein Gesicht bleibt, welches man sich nicht merken wird. Harvey Keitel, den man schon in guten Filmen gesehen hat, kann mit seinem Charakter als verschrobener, verbitterter Autor leider auch nichts reißen. Und die schöne Seniorita hat auch etwa die Tiefe eine Planschbeckens.

Zwischen Möchtegern-Literaten (JJ) und annähernd Literatur-Nobelpreisträger (HK) entwickelt sich – nach anfänglicher Ablehnung – also eine Freundschaft. Warum? Mir erschließt sich nicht, was an dieser Schnarchnase so toll sein soll, dass der Autor nach 20 Jahren aus der Einsiedelei zurückkehren sollte. Der Jüngling ist so flach, ich frage mich, worüber er selber denn schreiben möchte. Nein, diese Entwicklung ist nicht nachvollziehbar. Woher sollen eigentlich die Weisheiten kommen, die man austauscht? Es sind Weisheiten, die man auf jedem Abreißkalender unter dem Titel „Worte, die man sich schenken kann“ finden könnte.

Entgegen der anderen Rezensionen konnte ich auch keinen Zauber in der Landschaft entdecken, die vielleicht noch der Grund für die neue Reife hätte sein können. Aber das Ganze hätte auch in Wanne-Eickel spielen können: Man nehme ein Zechenhaus und klebe etwas Foto-Tapete auf die Fassade der Nachbarn, schon ist das reizende Ensemble fertig.

Platt waren auch die weiteren Kulissen, aus der Mottenkiste der Vorurteile hervorgekramt, um vielleicht die US-Amerikaner mit einem Bild von „Good Old Europe“ zu versorgen. Wo bitte fährt denn heute noch eine Dampflokomotive? Weitere klischeehafte Bilder oder Handlungsabläufe sollen nur in Stichpunkten aufgeführt werden: Das Gestöhne aus dem Hotelzimmer nebenan; der Ritt neben dem Zug, um den Liebsten aufzuhalten; die 60er-Jahre Fiat-Automobile; der zur Alkohol-Nase neigende Dorfpfaffe; die 190 Jahre alte Mutti mit Vogelkäfig auf dem Schoß; die Punk-Tochter, die auf den Weltuntergang wartet. Billig. Und so absehbar und aufregend wie Dr.-Stefan-Franke-Romane.

Nein, dann schaue ich mir lieber z.B. Planet Erde an, habe dort wirklich schöne Bilder und muss mir dabei keine zusammengestrickte, unglaubwürdige Geschichte ansehen.