Bewertung: Otherland 04. Meer des silbernen Lichts: Roman

Langes Gehadere mit enttäuschender Auflösung!

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Diesen dicken Wälzer habe ich mit in den Urlaub genommen, in der Hoffnung, (endlich) einen gelungenen Abschluss des vierteiligen Werkes lesen zu können. Doch leider Fehlanzeige.

Was sich schon in den vorangegangenen Teilen abspielte, wird hier fortgeführt: Eine Wanderung durch virtuelle Welten, die sich irgendwie nicht auflösen will. Die „Gefährten“ durchlaufen seine Sim-Welt nach der anderen, werden getrennt, finden wieder zusammen, und in immer neuen Team-Konstellationen laufen sie und laufen sie und laufen sie und… Höchstens alle 100 Seiten passiert etwas, was für die Geschichte dann relevant ist. Ich war versucht, ganze Seitenbündel weiterzublättern, ob was Neues geschehen ist.

Der Höhepunkt: Ein Showdown, der erklärt wird! Grässlich! Ähnlich wie bei Harry Potter, wo Dumbledore diese Rolle übernimmt, erzählt Mr. Sellars zum Abschluss (auf ca. den letzten 80 Seiten), was Wundersames er denn getan hat… aber nachvollziehen kann man es nicht – die „Gefährten“ übrigens auch nicht, weil dann immer behauptet wird, das würde nun zuweit führen, sosehr ins Detail zu gehen. Soso, aber die oben erwähnten Sim-Welten müssen kleinteilig beschrieben werden, damit selbst der letzte vorübergehend auftauchende Sim einen „Charakter“ bekommt?!

Und dann das unbeschreibliche Böse. Welche Moral steckt dahinter, wenn ein Bekloppter als angsteinflößendes und allmächtiges Wesen dann auf so eine Weise … den Abgang macht. Dem steht kein mutiger Kampf entgegen, wie beim Herrn der Ringe, kein selbstloser Weg, vielmehr gehen die „Helden“ immer nur weiter – bzw. weichen vor dem Bösen zurück -, um raus zu kommen und ggf. noch die Angehörigen zu retten. Blöde Auflösung, wenn folglich nicht der Heldenmut die Rettung bringt, sondern letztlich sowas wie ein Kurzschluss.

Mir kommt dabei der Pathos zu kurz. Mag die Idee hinter der Story – Fantasy auf Tech-Basis – genial sein – und „Second Life“ zeigt auf, dass wir auf dem Wege in eine solche Welt sind – die Umsetzung ist m.E. unzulänglich. Der Autor scheint selber sich nicht an gewisse Details heranwagen zu wollen, bleibt vieles doch im Dunkeln (wie z.B. das Gebastel von Herrn Sellars – s.o.).

Warum trotzdem drei Sterne? Weil die Erzählweise gut ist. Soviele Handlungsstränge zusammenzuhalten, erfordert Geschick. Weil das Zukunftsmodell spannend und rund ist, angefangen bei der Jugendsprache über die Netfeeds bis hin zur virtuellen Welt insgesamt.

Vorschlag: Bringt eine um 3000 Seiten gekürzte Version auf den Markt, indem einige Sim-Wanderungen rausgeschmissen werden, macht dafür aber das Ende doch bitte etwas schlüssiger.