Dortmund – raus aus dem Ruhrgebiet?

Was lese ich in der Zeitung? Die Dortmunder SPD überlegt, ob man aus dem Ruhrgebiet austreten möchte. Oder besser aus dem RVR – dem Regionalverband Ruhrgebiet. Was soll ich denn nun davon halten?

Ist dies wirklich eine entwicklungspolitische Frage? Dortmund ist innerhalb des Ruhrgebietes eine von vielen Großstädten. Zwar haben wir inzwischen den Essenern den Rang als zweitgrößte NRW-Stadt abgelaufen, jedoch ist Essen die Kulturhauptstadt 2010 und bekommt Essen doch kurzfristig einen neuen Bahnhof. Etwas weiter weg gibt es noch Duisburg, welches übrigens immer noch Stahlstandort ist – im Gegensatz zu Dortmund. Und Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Mühlheim/Ruhr sind zwar kleiner, doch im Zusammenwirken sind diese Städte nicht zu unterschätzen. (Den Rest der Großstädte und der Kreise unterschlage ich hier großzügig…)

Ist Dortmund als „Herz Westfalens“ besser positioniert? Wofür eigentlich? Für die Konsumströme aus dem Sauerland und den Münsterland? Als Sitz einer künftigen Bezirksregierung? Als „Hauptstadt“ eines Rumpf-Westfalens ohne Ruhrgebiet?

Auch andere traditionell dem Ruhrgebiet zugeordnete Kreise und Städte überlegen den Austritt auf dem RVR: Recklinghausen, Gladbeck, Hagen z.B. Da fragt sich, was vom Ruhrgebiet noch übrig bleibt!

Andererseits gibt es politische Stimmen, die den Zusammenschluss zu einer Ruhrstadt fordern. Dass eine solche Maßnahme wie bei der kommunalen Neuordnung 1975 laufen würde, bei der Städte und Kreise einfach aufgelöst worden sind, ist zu bezweifeln. Aber warum kann man nicht eine Selbstverwaltungsinstitution bilden, die einfach etwas neues ist. Weder Landschaftsverband noch Regierungsbezirk.

Jedenfalls meine ich, dass wir zum Ruhrgebiet gehören und dort auch bleiben sollten. Wir haben nun mal eine gemeinsame Vergangenheit mit Essen, Duisburg, Bochum usw. Wir teilen uns auch die damit verbundenen Probleme, wie Altlasten, Strukturschwäche und Emscherumbau. Dortmund kann sich nicht die Rosinen aus dieser Vergangenheit herauspicken. Und Solidarität, eine Ruhrgebiets-Solidarität, sollte nicht vernachlässigt werden.

Mir drängt sich ohnehin der Verdacht auf, die Überlegungen wären eher parteipolitischer Natur: Die hohen Herren könnten im westfälischen Bauernland (sorry, aber ich komm selber von da weg…) wohl wesentlich großmännischer auftreten, als jetzt unter fast gleichen. Oder will man in einem CDU-dominierten Rest-Westfalen ein SPD-Gegengewicht schaffen, was dann gleich noch weltmännischer daher kommt?

Ich würde vorschlagen, bevor sich SPD und CDU über diese Frage einigen, sollte man letztendlich die Bürger darüber abstimmen lassen: Dortmund, gehörst Du zum Ruhrgebiet?

Übrigens: Wäre ein Spiel Schalke./.Dortmund dann noch ein Ruhrgebiets-Derby?