Weihnachtsrausch…

Der letzte Einkauf ist getätigt, die Ente liegt bereit, gestopft zu werden, und die Waffel-Rezepte sind auf das Vorhandensein der Zutaten durchgecheckt. Weihnacht kann also beginnen. Ich bin erfreut darüber, wie entspannt die Vorweihnachtszeit bisher abgelaufen ist. Sicher hat auch mein Mann einen gehörigen Anteil daran, hat er doch Stück für Stück unseren Kühlschrank und das Eisfach befüllt, so dass ich dem Getrampel in den Supermärkten entkommen konnte. Die Schwiegereltern kommen zum Heiligabend, Bruder und Bagage dann am 2. Weihnachtstag, die Mutter ist für drei Wochen in die Ferne gereist.

Ich frage mich, was machen wir Schwuppen eigentlich, wenn wir uns irgendwann nicht mehr auf die Familie zurückziehen können? Weihnachten finden viele ziemlich blöd, vor allem der Stress und der Konsum-Terror im Vorfeld. Doch dann sitzen wir am 24. wieder im feinen Zwirn unter dem Baum, die Mutter lächelt seelig und die Geschenke wechseln den Besitzer. Dankbar kann derjenige sein, für den diese Veranstaltung nicht zu einem Rollenspiel entartet, um z.B. Vater/Oma/Tante usw. traute Heterosexualität vorzumachen.

Wann gelingt es uns, der ersten Generation die darüber vielleicht frei bestimmen könnte, Alternativen zu leben? Das Mann mit 60 Jahren nicht alleine im Kerzenschein weinen möchte, ist klar. Aber was tut man mit 40 dafür? Wir haben keine Nachkommen, und so müssten wir uns doch langsam überlegen, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Wie wollen wir leben, wenn wir keine Kinder haben, die uns umsorgen? Wie wollen wir leben, wenn wir die Omas und Opas mit grauen Haaren sind, die keine Enkelkinder haben, denen wir Werther’s Echte schenken können? Weihnachten ist ja nur ein Tag im Jahr. Aber die Zukunft, die wir gestalten müssen und können, fängt ja schon morgen an.