Reggae, Rum und Rastafari – Keine Chance den Hass-Rappern

Reggae, Rum und Rastafari: Drei Worte, die uns zunächst an Barcadi-Feeling unter Palmen denken lassen, an karibische Träume, an dunkle, wohlgebaute Männer. Doch diese drei Worte stehen derzeit auch in den politischen Nachricht, und zwar negativ. Der Grund: Hass-Sänger aus Jamaika rufen in ihren Songs zu Gewalt gegen Schwule auf.

Hier in Dortmund sollte unter Schwulen und Lesben der Name Sizzla inzwischen ein Begriff sein. Sizzla wird nämlich im Mai zu einem Konzert in der Dortmunder Life-Station erwartet.

Der jamaikanische Rapper ist durch seine herabwürdigenden Äußerungen vor allem gegen Schwule bekannt geworden. In einer Pressekonferenz nach dem Summerjam Festival 2007 in Köln z.B. vertrat er homophobe Thesen: „Gründest du eine Familie, erweist du deiner Mutter Respekt. Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz.“, äußerte er. Und weiter, „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das.“ Noch deutlicher wird er allerdings in seinen Werken. In einem Song-Text heißt es zum Beispiel: „Verbrennt Männer,die Sex mit Männern haben.“

Der LSVD hat aufgrund dieser Vorgeschichte im Vorfeld der Auftritte in Deutschland ein Einreiseverbot zu erwirken versucht. Jedoch wird inzwischen befürchtet, dass die Einreise in den Schengener Raum bereits erfolgt ist, so dass Sizzla kaum noch an der deutschen Grenze abgefangen werden kann.

Die SPD hat sich daraufhin für ein Auftrittsverbot für Sizzla ausgesprochen. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck von den Grünen geht sogar noch weiter. Er hat Strafanzeige gegen verschiedene Online-Händler wie z.B. Bücher.de, BOL oder Amazon erstattet, weil diese die Werke verschiedener Hass-Rapper verkaufen würden. In den Texten der dort erhältlichen Werke heißt es u.a. „Erschießt Schwule“ und „Ich erschieße Schwule mit einer Waffe“. Auch die Werke von Sizzla werden von dieser Strafanzeige erfasst.

Das Dortmunder Kommunikationszentrum Ruhr – KCR – hat derweil zu Protesten gegen das Konzert im Mai und auch gegen den Veranstalter aufgerufen. Zudem hat sich das KCR in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt gewandt und ihn aufgefordert, mit ordnungsbehördlichen Mitteln gegen den Auftritt vorzugehen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Proteste gegen das Konzert in Dortmund erfolgreich sein werden. Zumindest ein geplantes Konzert in Essen ist aufgrund massiver Gegenstimmen inzwischen abgesagt worden.

Der Kern des Problems liegt jedoch nicht in unserer Stadt oder in unserem Land. Hier kann man als Schwuler oder als Lesbe nämlich vergleichsweise frei leben und mit der Absage von Konzerten ist schließlich nur ein Anfang gemacht.

Die Wurzeln speziell der genannten Hass-Sänger liegen allerdings in Jamaika. Nicht nur dass dort schon auf Händchenhalten von zwei Männern hohe Haftstrafen drohen. Viel schlimmer ist, dass hier die schwulenfeindliche Saat der Rapper auf sehr fruchtbaren Boden fällt. Erschreckend ist zusätzlich, dass man sich in seinem Hass immer auf die Religion beruft.

Schwule und Lesben in Jamaika leben schlicht in Todesangst. Es kommt auf dieser karibischen Insel regelmäßig zu schlimmsten Gewalttaten gegen Homosexuelle, bis hin zu Lynch-Morden durch einen aufgebrachten Mobb. Doch damit nicht genug: Schutz durch staatliche Stellen kann man auf Jamaika nicht erwarten. Wenn sich die Polizeigewalt mal nicht selber gegen die Homos richtet, so wird doch gerne weggeschaut, wenn vor ihren Augen Menschen massakriert werden. In den letzten fünf Jahren wurden über 30 Jamaikaner aufgrund ihrer Homosexualität ermordet.

Wer sich ein Bild von der Lage machen will, kann sich übrigens auch eine Reportage des Weltspiegels unter youtube ansehen.

Können wir an dieser Situation auf Jamaika etwas ändern? Gewiss. Doch wir müssen eben auch darauf aufpassen, was bei uns zuhause geschieht.

Meiner Meinung nach zeigt der Satz „Wehret den Anfängen“ auf, wie man auch gegen Hass-Musiker vorgehen muss: Wir dürfen nicht dulden, dass sich Einzelne an ihr Publikum richten und zu Mord und Totschlag aufrufen. Egal gegen welche Gruppen und egal mit welcher Rechtfertigung: Wer zu Hass aufruft, darf keinen Platz bekommen in unserem Land. Und Geld verdienen dürfen diese Leute hier bei uns schon gar nicht.

Die jamaikanischen Sänger – aber vor allem auch jene, die Geschäfte mit ihnen machen – argumentieren nun, ein Verbot der Konzerte käme einer Zensur gleich.

Und genau das brauchen wir in diesen Fällen tatsächlich. Genauso wie in unserem Land Nazi-Symbole verboten sind, dürfen wir nicht zulassen, dass Leute wie TOK, Bounty Killer oder eben Sizzla, Leute, die sich Künstler nennen, durch ihre Song-Texte zu Gewalt aufrufen und Hass predigen.

Wir dürfen solche Hass-Sänger hier nicht dulden. Nicht in Dortmund und nicht in Deutschland.
Weitere Infos zum Stand der Dinge, vor allem aber zu den Protesten gegen das geplante Sizzla-Konzert in Dortmund, gibt es auch auf den Seiten von www.queer.de und www.kcr-dortmund.de.