Bewertung: Die Novizin – Die Gilde der Schwarzen Magier 02

Statt Fantasy eine Kopie unserer kleingeistigen Welt.

Nun habe ich also den zweiten Band der Schwarzen Magier abgeschlossen. Schon bei Die Rebellin. Die Gilde der Schwarzen Magier 01. ist mir aufgefallen, dass die Sprache in ihrer Phantasie doch recht dürftig ist. In diesem Teil „bleibt das Herz noch viel häufiger für einen Augenblick stehen“ … wie die wohl liebste Beschreibung einer Schrecksekunde lautet.

Nun ja, die Story ist soweit ordentlich, wenn auch etwas zäh, das Setting nachvollziehbar, die Charaktäre weitgehend schlüssig – naja, mit Einschränkungen, würde ich mich doch vielleicht nicht solange so unterdrücken lassen. Die Quälereien, die Sonea erlebt, halten mir persönlich eindeutig zu lange an – ein zu langer Faden, der für die Geschichte nur mäßig wichtig ist – auch wenn er leider im Mittelpunkt steht. Die Reisebeschreibungen mit Dannyl in fremden Ländern waren ok, aber Details über die Schwarze Magie und deren Ausübung fehlen, so dass es sich bisweilen etwas bemüht liest, wenn noch eine Etappe für den Botschafter und seinen Partner zu bewältigen ist. So bleibt die gefürchtete Schwarze Magie leider nebulös und wirkt daher gar nicht boshaft oder gefährlich.

Was mich nervt: Ich habe bereits in anderen Rezensionen gelesen, dass es zu „umstrittenen Offenbarungen“ kommen würde. Nun, was ist an homophilen Neigungen bitteschön umstritten? Meiner Meinung nach gar nichts, bin ich doch selber betroffen. Umstritten kann allenfalls der Umgang mit diesem Thema sein, und im Fantasy-Genre stehen eigentlich so viele Türen offen…

Doch was muss ich lesen? Ein Abklatsch unserer verbohrten Realität! Warum wurde hier ein gesellschaftliches Muster aus unserer Welt in jene der Fantasy übertragen? Auch dort gibt es also Homophobie? Aha! Warum nur? Die Autorin macht sich nicht die Mühe, die Ursachen dafür zu beschreiben. Bei uns sind es die Religionen, die die Liebe unter gleichen Geschlechtern als verachtenswürdig bezeichnen. Doch von Religion ist nicht viel in der Gilde zu lesen? Warum also? Welche Einsichten von Frau Canavan werden mich im 3. Teil erwarten? Welchen Grund gibt es in dieser Geschichte, dass Schwule und Lesben ausgegrenzt und verachtet werden? Nicht, dass es bei uns vernünftige Gründe geben würde, aber wenn man sich schon die Mühe macht, dann sollte man es erklären, denn sonst erscheint mir die Diskriminierung als universelles Naturgesetz, und das sehen wir doch bitteschön ganz anders.

Als selbst „Betroffener“ nervt es mich, dass wieder einmal die Fantasy = Phantasie nicht soweit reicht, dass Liebe etwas Schönes und Normales sein könnte. Warum sind es nicht die grünen Augen, die zu Diskriminierung führen oder die zu großen Füße?

Sollte sich Mrs. Canavan an einer Analogie zu unserer Welt versuchen? Gähn! Dazu brauche ich keine Fantasy, dann lese ich mir einen der vielen Tatsachen-Berichte von Schwulen oder Lesben durch, die wirken dann authentischer. Bis zum Band 2 der Gilde der Schwarzen Magier fehlt mir zumindest noch die Moral – und ich kann mir nicht vorstellen, wie C. im dritten Band noch die Kurve bekommen will.

Wie schön könnte Fantasy doch sein, wenn sie wirklich eine Alternative zur Kleingeistigkeit im Hier und Jetzt wäre. Welche Horizonte würden sich erschließen, wenn so etwas wirklich Phantastisches wie freie Liebe und umfassende Akzeptanz einfließen würden, so ganz anders als im realen Leben?!