Ralf König wird 50

Ralf König hat Geburtstag. Im August von 50 Jahren wurde er sozusagen „gleich umme Ecke“ geboren. Inzwischen hat er sich als bedeutender Comic-Zeichner weltweit einen Namen gemacht.

Sein Weg führte auch durch Dortmund und über das KCR, und das ist für mich Grund genug, die Karriere der Königin mal kurz zu beleuchten und ihr angemessen zu huldigen.

8. August 1960, Westtönnen bei Soest. Ein Knabe ward geboren und er erhielt den Namen Ralf König. Das wird später mal ein Landwirt, dachte sich vielleicht der eine damals. Oder er wird Handwerker, wie zum Beispiel Tischler, dachte der andere.

Nun, das mit dem Tischler stimmt zum Teil, nach der Hauptschule in Werl absolvierte König eine Tischlerlehre.

Doch dem Jungen, der schon mit fünf oder sechs Jahren das Zeichnen von Donald-Duck-Schnäbeln geübt hat, steckte ein anderes Talent in den Fingern. Schon 1979, während seines Coming Outs, veröffentlichte er die ersten Schwulen-Comics. Zunächst erschienen seine Werke noch bei irgendwelchen unabhängigen Verlagen oder in politischen Szene-Zeitschriften, wie zum Beispiel im „Rosa Flieder“ aus Nürnberg.

Was als Hobby begonnen wurde, wollte er schließlich auch professionell betreiben. So wurden Hammer, Säge und Hobel an den Nagel gehängt. Über den zweiten Bildungsweg gelangte Ralf König an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo er bis 1986 studierte.

Dort gelang es ihm, seinen persönlichen Stil weiter zu entwickeln. Bis heute sind die Knollennasen DAS Markenzeichen von Ralf König.

In dieser Zeit tauchte König auch erstmalig in Dortmund auf. Das KCR – das Schwulen und Lesben-Zentrum der Stadt – bot ihm die Basis für sein Coming Out. Aber auch ein Forum für seine darstellende Kunst: Unvergessen bei den älteren Mitgliedern des KCR die Opern-Parodien oder die ABBA-Performances mit selbstgebastelten Knollennasen-Puppen. Es lohnt sich, den Film zum 30. Geburtstag des KCR aus dem Jahre 2002 anzusehen.

In der heterosexuellen Öffentlichkeit wurde Ralf König mit seinem Comic „Der bewegte Mann“ und der Fortsetzung „Pretty Baby“ bekannt. Sönke Wortmann verfilmte den Stoff 1994 mit Joachim Król, Till Schweiger und Katja Riemann, und das Ergebnis wurde zum bis damals zweiterfolgreichsten Film der deutschen Kinogeschichte.

Unter Schwulen ist der Streifen bis heute nicht unumstritten. Er betont vor allem alte Klischees von Fummel-tragenden Tunten und in Heteros verliebte Schwule. Trotzdem: Der Film hat in der Öffentlichkeit auch Sympathie für „die schwule Sache“ erzeugt, vor allem durch den Ralf-König-typischen Humor.

Doch dieser kommt nicht bei jedem an. Noch in den 90er Jahren versuchte das bayerische Landesjugendamt sein Werk „Bullenklöten“ auf den Index setzen zu lassen und 1996 ließ die Staatsanwaltschaft Meiningen bundesweit seine Bücher beschlagnahmen.

Comic und Komik liegen schon begriffsmäßig nah beinander. So kann man auch bei den Königlichen Werken manchmal einfach nur losgackern angesichts der treffenden, karikaturesken Darstellung von Tucken, Bärchen, Zicken und Quarktaschen.

Doch seine Geschichten haben häufig auch einen Kern von beißender Wahrheit und regen mitunter zur Nachdenklichkeit an. Als Kind der 80er Jahre befasst sich Ralf König z.B. immer wieder auch mit dem Thema HIV und AIDS; man erlebt mit, wie sich seine Protagonisten infizieren oder sterben.

In seinen neueren Werken verabschiedet sich Ralf König vorübergehend von seinen Schwulencomics. Angesichts des Karikaturen-Streites bezieht er klar Stellung gegen die Fundamentalisten aller Religionen. Vor allem die Lust- und Liebesfeindlichkeit und das überkommene Frauenbild nimmt er auf seine typisch spöttische Art und Weise auf die Schippe, entlarvt sie als menschenfeindlich und provoziert damit die Empörung derjenigen, die er aufs Korn nehmen will: Die bigotten Muftis, Rabbis und Pfaffen der drei großen Weltreligionen und deren dumme Anhänger.

Zunächst greift er in Dschinn Dschinn den fundamentalistischen Islam an, dann macht er sich in Prototyp und Archetyp über die christliche Schöpfungsgeschichte her, in Kürze soll der Antityp erscheinen, in dem Apostel Paulus sein Fett gehörig abbekommen wird. Und plötzlich wird König auch wieder in der Heterosexuellen Presse wahrgenommen.

Neben den Preisen für sein künstlerisches Werk ist Ralf König inzwischen mehrfach auch für seine politische Stellungnahme ausgezeichnet worden:

  • In 2006 erhielt er den Max-und-Moritz-Spezialpreis der Jury, „für seine künstlerische Stellungnahme im Streit um die Mohammed-Karikaturen“,
  • in 2009 wurde er für Zivilcourage vom bayrischen „Bund für Geistesfreiheit“ ausgezeichnet,
  • und 2010 wurde ihm der Rosa-Courage-Preis der Stadt Osnabrück „für Engagement für die Rechte von Lesben und Schwulen“ überreicht.

Um nur eine Auswahl zu nennen. Zuletzt wurde ihm vor wenigen Wochen die Kompassnadel 2010 des Schwulen Netzwerkes NRW für sein nachhaltiges Engagement für die Schwulen- und Lesbenbewegung verliehen. Bis heute ist König mit der Szene verbunden, immer wieder stellt er kostenlos Comics und Karikaturen für ehrenamtliche Zwecke zur Verfügung.

Und das, obwohl er inzwischen zu weltweitem Ruhm gelangt ist. Seine Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt, vier seiner Comics sind verfilmt worden, es gibt Theater- und Puppenspiele seiner Stücke. Über sieben Millionen Mal wurden seine Bücher weltweit verkauft.

Doch trotz allen Ruhmes: Für uns bleibt Ralf König unser Chronist der Schwulenbewegung. Seine Ursprünge im Kreis Soest, seine Zeit in Dortmund, sein Wechsel nach Köln: In mehreren Stories erkennt man das eine oder andere aus der Umgebung wieder. Und seine Schwulen und Lesben sind einfach sympathisch und liebenswert. Das schöne daran: Nicht nur bei uns, sondern auch bei den Heteros.

Hoffen wir also, dass Herr König nun, mit jetzt 50 Jahren, nicht alt und gesetzt wird oder gar seinen typischen Humor verliert. Und würde etwas fehlen.

Von mir nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag.