Die besten Wochen meines Lebens begannen damit, dass eine Frau mich verließ, die ich gar nicht kannte: Roman

von Martin Page 

ISBN: 3492264441

Das Buch handelt von einem jungen, kreativen Mann, Virgile, der in Paris ein etwas sonderbares Leben führt und plötzlich spürt, wie er die Kontrolle darüber verliert.

Das Setting ist reizend, man sollte Paris aber schon mal kennen gelernt haben. Denn die Bilder von Cafés, den einzelnen Arrondisments, die Häuser, die Menschen erschließen sich nicht durch den Text. Doch ich habe mir einfach die [[ASIN:B00005V17B Die fabelhafte Welt der Amélie]] vorgestellt, und es passte. So ähnlich würde wahrscheinlich auch die Verfilmung dieses Buches aussehen, nur das statt Amelie eben ein vielleicht schmächtiger, aber hübscher Mann die Hauptrolle spielte.

Die Idee der Geschichte, die schon im Untertitel verraten wird, ist schon ganz witzig. Und die Suche, die nach einem mysteriösen „Ich-verlasse-Dich“-Anruf beginnt, führt uns durch die Überlegungen des Mannes, die Beobachtungen, die Selbsterkenntnisse. Natürlich liegen einige Weisheiten für den Hausgebrauch am Wegesrand, und es fehlt nur die alte Oma, die in ihrem Schaukelstuhl sitzt und ebensolche von sich gibt. Eine ähnliche Rolle nimmt allerdings die beste Freundin ein. Die allerdings leider für mich ebenso flach blieb wie die übrigen Charaktäre. Es wird halt erzählt, was die Menschen für Virgile bedeuten, doch es scheint irgendwie eine Einbahnstraße des Nutzens zu sein, unklar bleibt, was diese Freunde oder der Arbeitgeber überhaupt an Virgile schätzen.

Mühsam ist allerdings das Wissens-Dropping: Als müsse man die Zusammensetzung einzelener Düfte kennen, die erlesenen Weinsorten schon selbst verkostet haben, die Texte alter griechischer Dichter aus dem Effeff parat haben. Und so bleibt auch unklar, woher dieser Sohn zweier Zirkusleute das gutbürgerliche Wissen haben sollte. Als Leser kann man den Autoren entweder für total belesen halten oder sich selber als dumm. Ich wähle die dritte Alternative: Ich schlage die kursiven Begriffe und Fremdworte nicht nach, sondern ignoriere sie, weil es überflüssig ist, sie nachzuschlagen.

Wenigstens ist es ein kurzes Buch: Knapp 200 Seiten, schafft man an einem Tag. Was bleibt? Hm, vielleicht die o.g. Bilder von Paris, von einem Film, der noch gedreht werden müsste.